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Ria Frick

Mutterkorn
und Pestilenz

Roman

Erschien im November 2010

Zeitreisen – gibts doch gar nicht! Sandra, 23, Studentin der Geschichte, glaubt kaum daran; schon gar nicht ihre Studienkollegin Dora, 39, eine ehemalige Krankenschwester. Die beiden sind sich über Altersdifferenz und Weltbilder hinweg in humorvoller Freundschaft verbunden.

Daz Begin is daz gnedig Änd, daz Änd is daz guot Begin, darzwüscht kein Zyt soll syn – so der zufällig gefundene Zauberschlüssel zurück in ein längst vergangenes Dasein. Liesse sich zur Erheiterung doch mal ausprobieren, auf einem Tagesausflug in die Höhen des Albis. Die zwei Frauen finden sich im Jahr 1555 wieder, das Zürich von damals wird für eine Dekade, zumindest für Dora, zum Lebensraum.

Ria Frick missioniert nicht für das Mysterium Zeitreise, sie benutzt vielmehr das Gedankenspiel mit historischen Fakten und Vorstellungskraft, um die Gesellschaft jener Tage, ihre Macht- und Marktstrukturen, Wissensstand und Praxis in Medizin und Rechtsprechung lebendig zu entwerfen, an individuellen Schicksalen glaubhaft nachzuzeichnen. Sie lässt uns Personen begegnen, mit denen wir bereits in ihrem ersten Buch 'Hüerepeiss und Schlangenfrass' Bekanntschaft gemacht haben.

Wer sich für die Existenzbedingungen dieser Zürcher Epoche interessiert, stösst in 'Mutterkorn und Pestilenz' auf fundierte, anschaulich gestaltete Erkenntnis historischer Zusammenhänge, verloren gegangene Selbstverständlichkeit im Umgang mit Pflanzen und Heilverfahren, aber auch deren Irrtümer aus heutiger Sicht. Ganz besonders leuchten Person und Werk von Conrad Gessner auf, der, aus wissenschaftlicher Perspektive, zu früh, nämlich 1565 an der Pest gestorben ist.

Vor uns liegt ein Buch im Spannungsfeld zwischen Heute und Gegenwart gewordener Vergangenheit, geschrieben in beschaulicher Atemlosigkeit.

540 Seiten,
ISBN 3-905110-30-X
AutorInnenverlag Bern/
Edition Hartmann

Leseprobe

«Vierzehn junge Mädchen in acht Jahren. Es ist eine himmelschreiende Schande, dass dieser Teufel noch immer nicht bei lebendigem Leib verbrannt wurde!», rief der Untervogt, schlug sich dann die Hand auf den Mund und setzte kleinlaut hinzu, «ou, verzeiht, Zürcherin, so hab ichs gar nicht sagen wollen, ich meine wegen…» «Ich weiss Notz. Aber glaubt mir, ich wär sogar bei diesem grässlichen Mädchenmörder dagegen, dass man ihn hinrichtet!», entgegnete Dora und wusste ganz genau, dass sie sich mit dieser Aussage auf hauchdünnem Eis bewegte. «Nicht!?», fragte Notz entgeistert und blieb mitten auf dem Weg stehen. «Nein!», sagte Dora, und mit zusammengepressten Lippen wiederholte sie jenen Satz, den sie schon zu Gessner gesagt hatte, «es wird einmal eine Zeit kommen, in der es keine Todesstrafe mehr gibt. Das glaube ich und dafür bete ich!» Was man mit solchen Verbrechern denn sonst tun solle, fragte Notz. «Wegsperren, für immer!» Notz blickte sie ungläubig an. Nein, also das sei jetzt doch kompletter Blödsinn. Wozu man solchen Abschaum auch noch durchfüttern solle, das frage er sie jetzt! «Für Euer Seelenheil, Notz. Für Euer eigenes Seelenheil», antwortete Dora.